Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray

Oktober 01, 2017

Das Atelier war voll vom starken Duft der Rosen, und wenn der leichte sommerliche Wind durch die Bäume im Garten draussen strich, drang durch die offene Tür der schwere Geruch des Flieders oder das zarte Parfüm der Blüten des rotblühenden Dornes.



Seiten: 279
Verlag: Diogenes
Erscheinungsjahr: 1986









Oscar Wilde, geboren 1854 in Dublin, kam nach dem Studium am Trinity College in Dublin sowie Oxford mit 25 Jahren nach London. Er war der verwöhnte Liebling der Londoner Gesellschaft, doch seine Freundschaft mit Lord Alfred Douglas wurde im zum Verhängnis: Wegen Homosexualität wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung lebte Wilde, dem Alkohol verfallen, in Italien und Frankreich und starb 1900 in Paris.
Diogenes)

   




"Lord Henry Wotton, dieser geistreich-zynische Dandy, ist es, der den zu Beginn der Handlung etwa zwanzigjährigen, unverdorbenen und faszinierend schönen Dorian Gray zum Hedonismus, zum rücksichtslosen Ausleben seiner Jugend verführt. Damit weckt er in ihm das Verlangen, ewig jung und schön zu bleiben, um alle Sinnenfreuden auskosten zu können. Der mit der Intensität eines Gebetes ausgesprochene Wunsch Dorian Grays, statt seiner möge das Bildnis, das Basil Hallward von ihm gemalt hat, altern - ein Wunsch, für dessen Erfüllung er seine Seele zu geben bereit ist -, wird ihm gewährt." -Jörg Drews

"Worin Dorian Grays Sünde bestand, sagt niemand und weiss auch niemand. Jeder, der sie erkennt, hat sie begangen... Der Mensch kann das göttliche Herz nicht erreichen, es sei denn durch das Gefühl der Trennung und des Verlustes, das man Sünde nennt." -James Joyce
Diogenes)

   




Zum Cover kann nicht viel gesagt werden. Die Klassiker aus dem Diogenes Verlag haben alle das gleiche Design. Schlicht, weiss, einen schwachen schwarzen Rahmen und dann das Bild in der Mitte, welches sich von Roman zu Roman unterscheidet. Ich finde die Farben auf dem Bild schön, es ist nur das Pink und das Hellblau angemalt, der Rest blieb schwarz. Doch es ist jetzt nicht ein gutes Abbild der Geschichte, die hinter dem Cover steckt. Schön wäre es gewesen, wenn man das Bildnis darauf hätte erkennen können, darum geht es ja in der Geschichte. 







Ja, ich habe dieses Buch gelesen, weil ich es von der Schule aus lesen musste. Wahrscheinlich hätte ich sonst nicht dazu gegriffen, obwohl es sich um einen Klassiker der Literatur handelt. Doch ich muss gestehen, dass ich die Geschichte echt interessant fand.
Der Roman hat verschiedene Aspekte. Einerseits geht es um die Zeit der Jahrhundertwende und die gesellschaftlichen Probleme des Hedonismus werden aufgezeit. Vor allem Lord Henry Wotton erklärt sehr wortgewandt die Situation und verführt mit seinen Worten Dorian Gray. Der Maler Basil Hallward kann als Durchschnittsmensch jener Zeit angesehen werden und Dorian Gray ist der junge Schöne, der noch nicht so weiss, wo er dazugehört. Gerade deshalb waren die Worte Wottons so gefährlich für Dorian. Er fing an, mit sich selbst zu kämpfen.
Ein weiterer Teil der Geschichte ist das Bildnis, ein Portrait von Dorian, gemalt von Basil. Nach dem Wunsch Dorians, er möge nicht altern, dafür soll es das Bild tun, ist das Gemälde wie verhext. Dorian bleibt jung, das Portrait wird zu einer Fratze. Und diese  Rätsel um das Gemälde haben den Roman für mich spannend gemacht. Wenn wir in der Schule so viel lesen, bin ich manchmal richtig müde vom vielen Interpretieren und habe gar keine Lust mehr zum Lesen. Doch dieses Buch hatte eine so grosse Spannung darin, dass ich es sogar vor Leseschluss fertig hatte.
Das Ende der Geschichte war aber leider dann doch vorhersehbar und hat die ganze Begeisterung ein wenig runtergezogen. 
Was genau so interessant ist wie der Roman, ist die Biografie von Oscar Wilde. Die sollte man sich durchlesen und dann soll man wissen, dass "Das Bildnis des Dorian Gray" nicht immer so war, wie es jetzt ist. Denn die Originalgeschichte wurde sehr stark zensiert, da sie damals ein Tabuthema aufgriff. Und dies hat einen starken Zusammenhang mit dem Leben von Oscar Wilde. Vor Gericht war das Buch der Grund dafür, dass er in ein Zuchthaus gesteckt wurde.
Ich kann hier jetzt nicht die ganze Biografie erklären, ein Teil steht ja schon oben beim Text zum Autor.



Tina         

You Might Also Like

3 Kommentare

  1. Hallöchen,
    ich kenne den Film "Das Bildnis des Dorian Grey" und liebe ihn sehr. Eigentlich wollte ich es schon lange mal lesen, aber wie das halt manchmal so ist ...
    Du hast mich jetzt jedenfalls wieder daran erinnert und mich zusätzlich sehr neugierig auf die Biografie von Oscar Wilde gemacht. Am liebsten würde ich es sofort lesen :D

    Liebste Grüße
    Kate ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Kate,
      phu hat das nun lange gedauert, bis ich dir eine Antwort schreiben konnte. Das Kommentarfeld wollte einfach nicht so wie es sollte und ich konnte meine Antwort nicht abschicken. Jetzt geht es aus unerklärlichen Gründen einfach wieder...

      Problem beiseite. Es freut mich, dass ich dich an den Roman erinnern konnte, mich hat er wirklich positiv überrascht. Den Film kenne ich nicht, aber wer weiss, vielleicht ist ja bald ein Filmabend angesagt. :)

      Liebste Grüsse
      Tina

      Löschen
    2. Den Film kann ich nur empfehlen! Ich kann zwar nicht beurteilen, inwieweit er ans Buch gehalten ist, aber Ben Barnes hat die Hauptrolle ... das ist für mich Grund genug, den Film zu lieben ♥ :D

      Löschen

Beliebte Beiträge